Die intensive Vorbereitung für die diesjährige Bundesfleckviehschau und den 26. Kongress der Europäischen Vereinigung der Fleckviehzüchter (EVF) machte sich bezahlt. Über 200 Gäste nahmen am EVF Kongress in Baden bei Wien teil. Gäste aus 26 verschiedenen Ländern besuchten die Bundesfleckviehschau in Ried. Das Motto der diesjährigen Bundesfleckviehschau „Fleckvieh Austria – Fit für die Zukunft“ wurde nicht nur durch die hervorragende Qualität der ausgestellten Tiere, sondern vor allem durch die Begeisterung und das Engagement der Jungzüchter beim Jungzüchterchampionat eindrucksvoll bestätigt.
Gäste aus 26 verschiedenen Ländern besuchten die Bundesfleckviehschau 2005 in Ried.
Bundesfleckviehschau begeistert
Der Zeitpunkt für die Bundesfleckviehschau hätte nicht passender sein können. Das Interesse aus dem In- und Ausland war extrem groß. Die Nachfrage nach österreichischem Zuchtvieh für den Export boomt. Neben den Kongressteilnehmern besuchten Gäste aus 26 Ländern, darunter viele Bauern aus den Nachbarstaaten, aber auch aus Holland oder Züchter aus Mittel- und Südamerika die österreichischen Fleckviehzüchter. Mit 241 ausgestellten Tieren der verschiedensten Kategorien und Nutzungsrichtungen zeigten die 166 Aussteller, dass die österreichische Fleckviehzucht international an der Spitze steht.
Die perfekt organisierte Ausstellung fand auf der Verbandsanlage des FIH, eingebunden in die Rieder Messe, ein ausgezeichnetes Ambiente. Die Qualität der Tiere überraschte die Besucher aus dem In- und Ausland. Das Leistungsniveau der ausgestellten Tiere kann jeden Vergleich mit spezialisierten Milchrassen standhalten. Bereits die Eröffnung der Bundesfleckviehschau durch Bundespräsident Dr. Fischer war einer der Höhepunkte. Es war ein schönes Gefühl, so die Aussagen der Züchter, als alle Verbände mit ihren Tieren und Fahnenträgern in die Vorführarena einzogen und dort bestaunt von tausenden Besuchern Aufstellung nahmen.
Hoher Besuch: Bundespräsident Heinz Fischer und Landwirtschaftsminister Josef Pröll
Das Preisrichter-Team, v. l.: Moras (Italien), Luntz (Deutschland), Dichtl mit Championkuh BELLA, Kucera (Tschechien), Vengrin (Slowakei)
Siegerglück
Um bei der Bundesfleckviehschau zu gewinnen, braucht man nicht nur ein ausgezeichnetes Tier, sondern auch viel Glück. Die Tiere wurden in zwei Ringen parallel von den Preisrichtern Luntz (D), Vengrin (SK), Moras (I) und Kucera (CZ) gerichtet.
Die Ausstellungstiere teilten sich im Wesentlichen auf die Linien Horror, Morello, Redad und Romulus auf. Während bei den jungen Kühen die Vertreter der Redad- und Romulus-Linie an der Spitze standen, waren es bei den Stiermüttern und Dauerleistungskühen vor allem die Vertreter der Morello- und Horror-Linie.
RESS-Abkömmling wird Bundessieger
Die 12 ausgestellten Wartestiere der Besamungsstationen Wieselburg und Hohenzell wurden durch ihre Hälter hervorragend präsentiert. Zum Bundessieger wurde von den Preisrichtern der Horwart-Sohn Hombre aus der Ress Familie vom Betrieb Maier (NÖ) gewählt. Ihm folgte als Bundesreservesieger der in Exterieur und Abstammung ebenbürtige Rumba-Sohn Rumenik, vorgestellt vom Betrieb Kimberger (RZO).
Knappe Entscheidung bei Erstlingskühen
Bei der großen Gruppe der Erstlingskühe gingen auch die Vertreterinnen der Nachzuchtgruppen beim Preisrichten mit. Äußerst positiv fielen die zahlreichen Ress- und Romel-Töchter auf. Zur Bundessiegerin wurde eine sehr elegante, mit einem extrem hohen Zuchtwert ausgestattete Romel-Tochter vom Betrieb Ninaus, Steiermark gekürt. Sie erhielt knapp den Vorzug gegenüber der sehr rahmigen Robert-Tochter Arabien vom Betrieb Ornetsmüller, FIH.
Stiermütter beeindruckten
Von beeindruckender Qualität waren die ausgestellten Stiermütter. Viele hätten sich hier den Bundessieg verdient. Glücklicher Bundessieger wurde der Betrieb Müllner, NÖ Genetik, mit seiner äußerst korrekten Malhax-Tochter Emelie. Diese Kuh in der 2. Laktation stehend, bestach die Preisrichter durch ihr ausgesprochen trockenes Fundament und durch das exzellente Euter. Der Zuchtbetrieb Steiner, Osttirol, konnte sich mit seiner ausdrucks- und typstarken Horwein-Tochter Tina über den Reservesieg bei den Stiermüttern freuen.
Erstmals Dauerleistungskühe
Eine Novität auf einer großen Ausstellung waren 20 ausgestellte Dauerleistungskühe mit über 50.000 kg Lebensleistung. Einige davon haben sogar bereits die 100.000 kg Grenze überschritten. Gerade diese große Gruppe der Dauerleistungskühe präsentierte die Fitness der Fleckviehrasse. Zur unangefochtenen Bundessiegerin wurde von den Preisrichtern die Malf-Tochter Bella vom Betrieb Dichtl aus Tirol, gekürt. Mit einer Lebensleistung von über 55.000 kg Milch bei einer Durchschnittsleistung von über 10.000 kg Milch in fünf Laktationen überzeugte sie die Preisrichter durch Typ, Fundament, Euter und natürlich Leistung. Über die Bundesreservesiegerin Astrid durfte sich der Betrieb Griessner aus Salzburg freuen.
Die Bundeschampions 2005, v. l. ROMEL-Tochter LOTTE von Alois und Veronika Ninaus, Stmk., MALHAX-Tochter EMELIE von Stefan Müllner, NÖ, MALF-Tochter BELLA von Leopold Dichtl, Tirol
RUMBA –Tochter Eutersiegerin
Extrem hart war die Konkurrenz bei der Auswahl der Bundeseutersiegerin. Aus 17 Gruppensiegerinnen musste die Bundessiegerin ausgewählt werden. Letztendlich hatte der Betrieb Eibelhuber (FIH) mit seiner exzellenten Rumba-Tochter Eva das Glück auf seiner Seite.
Mutterkühe und Kuhfamilien
Bei den Mutterkühen wurde der Betrieb Wachholbinger (FIH) mit seiner Horst-Tochter Flora ebenso eindeutig Bundessieger wie der Betrieb Günzinger (FIH) bei der Wertung der Kuhfamilien.
Auch wenn natürlich immer wieder die Bundessieger herausgestellt werden, darf nicht vergessen werden, dass jedes ausgestellte Tier ein absolutes Spitzentier der österreichischen Fleckviehpopulation ist.
Bundeseutersiegerin 2005: RUMBA-Tochter EVA von Familie Eibelhuber, OÖ
Interessante Nachzuchtgruppen
Parallel zu den Spitzentieren der Rasse Fleckvieh wurden interessante Nachzuchtgruppen der Stiere Ress (Renger x Streitl), Malhax (Malf x Haxala), Herich (Heron x Strich) und Herbert (Heron x Caveman) ausgestellt. Die große Gruppe der Ress-Töchter zeigte die Qualitäten dieses niederösterreichischen Vererbers. Ress wurde im In- und Ausland eingesetzt. Die Ress-Töchter präsentierten sich als optimale Fleckvieh-Doppelnutzungskühe mit sehr guter Bemuskelung, ausgezeichneten Eutern und sehr guten Fundamenten. Viele Züchter waren der Meinung, es hätten mehr Ress-Söhne in Prüfung bei den Besamungsstationen gehen sollen. Davon profitiert hat der Betrieb Lienhart, Burgenland, welcher für seinen Ress-Sohn Ronni bei der abschließenden Elite-Versteigerung über € 10.000,– erzielte.
RESS-Töchter zeigen gewünschten Doppelnutzungstyp
Die Malhax-Töchter zeigten die bekannten Stärken dieses Vererbers in der Rahmen- und Fundamentvererbung. Zahlreiche Bewunderer fand auch die Herich Nachzucht. Dieser neue Spitzenvererber wird in Österreich und Deutschland in der Gezielten Paarung eingesetzt. Herbert konnte vor allem durch die herausragende Fundamentvererbung auf sich aufmerksam machen. Der Betrieb Maislinger erreichte mit seiner Herbert-Tochter Erika auch einen Gruppeneutersieg. Sowohl Herich als auch Herbert können als hoffnungsvolle junge Spitzenvererber der österreichischen Fleckviehzucht gelten, die sicherlich auch über die Landesgrenzen eingesetzt werden.
Herbert-Töchter überzeugen durch ausgezeichnete Fundamente
Elite-Versteigerung abschließender Höhepunkt
In einer zum Bersten voll gefüllten Versteigerungshalle fand am letzten Tag die zweite bundesweite Fleckvieh-Elite-Versteigerung statt. 14 Zuchtstiere wurden an die verschiedensten Besamungsstationen aus Österreich und Deutschland zu einem Durchschnittspreis von über € 7.600,– verkauft. Den Vogel schoss dabei der Betrieb Faschang (FIH) mit seinem Dionis-Sohn ab. Dieser wechselte um € 15.000,– an die Besamungsstation Landshut, Deutschland. Bei den trächtigen Kalbinnen und Jungkalbinnen waren die Preiserwartungen der Züchter, bedingt durch die hervorragende Qualität der Tiere und die sehr guten Auktionen in diesem Jahr, sehr hoch. Diese Preisvorstellungen wurden nicht immer ganz erfüllt, sodass auch einige Tiere nicht verkauft wurden. Für eine exzellente Ress-Tochter erzielte der Betrieb Ebetshuber (FIH) den außergewöhnlichen Preis von € 4.300,–. Elite-Versteigerungen sind das Salz in der Suppe. Dies wurde auch heuer wiederum eindrucksvoll bestätigt.
Volle Halle bei der Eliteversteigerung
DIONIS-Sohn vom Betrieb Faschang, Oberösterreich
Teuerste trächtige Kalbin, Ress x Jupiler, vom Betrieb Ebetshuber, OÖ-FIH
HIPPO-Tochter BIRA vom Betrieb Assigal, Steiermark
Züchter des Jahres 2004
Im Anschluss an die Eliteversteigerung wurden in würdigem Rahmen die Auszeichnungen für die 10 besten Züchter des Jahres 2004 vergeben.
Ehrung der zehn besten Züchterfamilien des Jahres 2004
Staatspreismedaillen
Dem Niveau der Ausstellung angepasst wurden vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft und der ZAR zahlreiche Züchterehrungen ausgesprochen. Ein Staatsehrendiplom erhielt der Betrieb Günzinger, St. Georgen für die siegreiche Kuhfamilie Anita. Goldene Staatspreismedaillen wurden an den Betrieb Maier, NÖ, Züchter des Bundessiegers und des Stieres Ress, dem Betrieb Ninaus, Stmk., für die Bundessiegerin Lotte, dem Betrieb Müllner, NÖ, für die Bundessiegerin Emelie, dem Betrieb Dichtl, Tirol, für die Bundessiegerin Bella, dem Betrieb Eibelhuber, FIH, für die Bundeseutersiegerin Eva und dem Betrieb Wachholbinger, FIH, für die Bundessiegerin bei den Mutterkühen, verliehen.
Umfangreiches Rahmenprogramm
Parallel zur Bundesfleckviehschau wurde ein umfangreiches Rahmenprogramm organisiert. Zahlreiche Exkursionsgruppen aus dem Ausland nützten die Gelegenheit zur Besichtigung von Zuchtbetrieben in Österreich. Einhelliger Tenor, man ist überwältigt von der Gastfreundschaft der Betriebe und der Qualität der Tiere. Dass gerade in der Messewoche die Sonne vom Himmel lachte, trug sicherlich wesentlich zum positiven Eindruck bei den Betriebsbesuchen und beim Exkursionsprogramm bei.
Tolle Preise bei interessanten Wettbewerben
Während der Ausstellungswoche konnten die zahlreichen Fachbesucher mehrere Gewinnchancen nützen. Es gab ein Fleckviehquiz mit 5 Top-Preisen von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, einen Fotowettbewerb zum Thema „Fleckviehzucht in Österreich“, ein Tombola der Jungzüchter und den Fleckvieh-Future-Cup als neue Wettbewerbsidee.
Autoren: Ing. Richard Pichler, AGÖF; Dr. Josef Miesenberger, FIH
Fotos: Josef Berchtold, Deutschland